Leitlinien für die bestmögliche Behandlung

Je nachdem, ob sich die Erkrankung in einem frühen oder einem weiter fortgeschrittenen Stadium befindet, werden den Ärzten bestimmte, darauf zugeschnittene Behandlungsmöglichkeiten empfohlen. Diese Empfehlungen sind in Leitlinien zusammengefasst und basieren auf den Ergebnissen klinischer Studien sowie der Meinung von Experten. Meist stehen verschiedene Alternativen zur Verfügung, die eine weitgehend individuelle Behandlung erlauben. Hierbei arbeiten je nach Erfordernis Urologen, Onkologen und weitere Spezialisten wie Radioonkologen und Nuklearmediziner eng zusammen.

Therapiemöglichkeiten im Anfangsstadium

Im frühen Stadium der Erkrankung ist vielfach noch keine sofortige Behandlung erforderlich. Denn wenn die Geschwulst noch klein ist und nur sehr langsam wächst, wird häufig empfohlen, den Tumor zunächst nur in kurzen Zeitabständen zu beobachten, was man als aktive Überwachung (active surveillance) bezeichnet. Hierdurch kann eine vorzeitige Belastung des Patienten durch eine Therapie vermieden werden. Diese erfolgt erst, wenn sich zeigt, dass der Tumor ein Stadium erreicht hat, das eine Behandlung erforderlich macht.

Eine Möglichkeit hierfür besteht darin, die erkrankte Prostata durch eine Operation komplett zu entfernen, was der Mediziner als radikale Prostatektomie bezeichnet. Besteht ein hohes Risiko, dass danach noch Tumorzellen im Körper verblieben sind, kann zusätzlich noch eine Strahlentherapie erfolgen, um diese zu zerstören. Darüber hinaus kann eine Bestrahlung auch als Alternative zur Prostatektomie eingesetzt werden, da sie etwa die gleichen guten Heilungschancen bietet. Eine Strahlentherapie wird meist empfohlen, wenn der Gesundheitszustand des Patienten eine Operation nicht zulässt, oder er besonders häufige Folgerisiken dieser Behandlung wie etwa Harninkontinenz vermeiden möchte.

Die Bestrahlung erfolgt meist von außen, wobei man die Prostata über mehrere Wochen hinweg zielgenau mit kleinen, festgelegten Strahlendosen behandelt. Alternativ kann die Bestrahlung der Tumorzellen auch von innen erfolgen, was man als Brachytherapie bezeichnet. Hierbei werden unter Narkose mit Hilfe von Hohlnadeln kleine Stifte, sogenannte Seeds, mit radioaktivem Material in die Prostata eingeführt, deren Strahlung hauptsächlich den Tumor schädigt.

Therapiemöglichkeiten im lokal fortgeschrittenen Stadium

Auch im lokal fortgeschrittenen Stadium, wenn der Tumor bereits über die Organkapsel hinausgewachsen ist, kann die Erkrankung oft noch geheilt werden, was jedoch eine intensivere Behandlung erfordert. Hierzu werden in der Regel die Prostata und die von Tumorzellen befallenen Gewebe chirurgisch entfernt. Wie bei lokal begrenzten Tumoren kann anschließend eine Bestrahlung des betroffenen Bereichs erfolgen, um eventuell verbliebene Tumorzellen zu zerstören und so das Risiko für ein Wiederkehren der Erkrankung (Rezidiv) zu minimieren.

Alternativ kann die Bestrahlung auch anstelle einer Operation erfolgen. In der Regel wird in dieser Erkrankungssituation für einige Monate zusätzlich mit Medikamenten behandelt, die das Hormon Testosteron ausschalten, welches das Wachstum von Krebszellen fördert.

Therapiemöglichkeiten im metastasierten Stadium

Eine solche Testosteronblockade ist auch die erste Behandlungsmöglichkeit, wenn der Tumor bereits Metastasen im Körper gebildet hat und nur noch das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden kann. In dieser Situation verhindert man die Bildung des Hormons entweder zeitlich begrenzt durch bestimmte Medikamente (chemische Kastration) oder seltener auch dauerhaft durch die Entfernung der Hoden (Kastration). Alternativ oder zusätzlich zu dieser als Hormonentzug bezeichneten Behandlung, kann man aber auch so genannte Antiandrogene einsetzen, Medikamente, die die Wirkung des Testosterons an seinen Zielzellen unterdrücken.

Mit diesen Therapien kann man sowohl das Wachstum des Tumors, als auch seiner Metastasen, einige Zeit lang aufhalten. Danach können sich die Krebszellen jedoch auch ohne die Wirkung des Testosterons weiter vermehren. Tritt dies ein, spricht man von einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom.

Um jetzt ein erneutes Aufhalten des Tumors und der Metastasen zu erzielen, nutzt man andere Behandlungsmöglichkeiten, wie die Chemotherapie oder eine weiterführende Hormonentzugstherapie. Nach ihrem Versagen stehen noch weitere Wirkstoffe zur Verfügung.

Therapie von Knochenmetastasen

Da Knochenmetastasen für die Patienten besonders schwerwiegende Folgen haben können, kommt ihrer Behandlung entscheidende Bedeutung zu. Viele der bei Prostatakrebs eingesetzten Behandlungen wie Chemo- oder Hormonentzugstherapien sind zwar auch gegen sie wirksam, wurden jedoch nicht spezifisch dafür entwickelt. Teils starke Nebenwirkungen dieser Therapien können zudem dazu führen, dass die Patienten eine solche Behandlung vorzeitig abbrechen. Zur gezielten und möglichst gut verträglichen Behandlung von Knochenmetastasen wurde daher eine neue Behandlungsform entwickelt.

Diese Therapie mit dem radioaktiven Isotop Radium-223 ist in Europa seit Ende 2013 zugelassen und kann das Leben der für diese Behandlung geeigneten Patienten verlängern. Nach der Injektion wird das Radionuklid aufgrund seiner chemischen Eigenschaften vor allem im Bereich der Metastasen in den Knochen aufgenommen. Dabei zerstört die von ihm abgegebene Alpha-Strahlung durch ihre geringe Reichweite fast ausschließlich Tumorzellen, während gesundes Gewebe kaum betroffen ist. So wird die Behandlung von den Patienten in der Regel gut vertragen.